Gesunde Zaehne

Die öffentlich wahrgenommene Zahnmedizin der vergangenen Jahrzehnte stand im Zeichen der Volkskrankheit Karies [1]. An dieser Krankheit, an der bereits Kleinkinder leiden können [2] [3], haben sich Generationen von Zahnärzten abgearbeitet und die letzten Jahre vermehrt Erfolgsmeldungen über die eingedämmte Ausbreitung dieser Erkrankung verkünden können [4]. Doch kaum scheint dieser dentale Dämon gezähmt, zeigt sich das nächste orale Schlachtfeld. Während die Karies durch ihre öffentliche Wahrnehmung hinsichtlich ihrer Entstehung, begünstigenden Faktoren und geeigneter Gegenmaßnahmen weitestgehend bekannt und erforscht ist [5] [6] [7], tritt auch die noch teilweise im Verborgenen schlummernde Parodontitis ins Rampenlicht der öffentlichen Beachtung [8] [9]. In Deutschland leidet mindestens jeder 2. Einwohner an einer behandlungsbedürftigen Erkrankung des Zahnhalteapparates, wobei sich mit zunehmendem Alter bis zu 20% an schweren Fällen zeigen – und das sind nur die bekannten Fälle. Ein dringender Anlass für einen Blick in die Tiefen der Tasche.

Der Begriff Parodontitis bezeichnet die bakterielle entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats. Die dauerhafte und meist unwiderrufliche Schädigung des Zahnhalteapparates durch eine anhaltende Parodontitis kann von Abbau des Kieferknochens bis zum vollständigen Zahnverlust führen. Ursache einer Parodontitis ist meistens die unzureichende Entfernung bakteriellen Plaques. Durch die Ablagerung von Mineralien verbindet sich der verbliebene Zahnbelag zu Zahnstein. Kommen weitere entzündungsfördernde Faktoren hinzu, steigt das Risiko einer Parodontitis stark an. Neben den lokalen Auswirkungen einer Parodontitis wie der drohende Verlust von Kieferknochen und Zähnen, wirkt die Parodontitis negativ auf allgemeine Mechanismen im gesamten Körper [14]. Da orale Infektionen grundsätzlich über den Blutkreislauf streuen können, sind sie in der Lage, eine Vielzahl an systemischen Infektionen im gesamten Körper zu verursachen. Diese eher allgemeine Erkenntnis der Auswirkung von Entzündungen wird sehr schnell konkret, wenn man sich die potentielle Wirkung einer Parodontitis auf Erkrankungen wie Diabetes, Schlaganfall oder das Risiko von Frühgeburten vor Augen führt.

Die bekannteste und meist erforschte Wechselwirkung mit Parodontitis weist wohl der Diabetes mellitus Typ 2 auf. Die gestörte Insulinproduktion bzw. -wirkung begünstigt entzündungsfördernde Prozesse, die das Risiko einer Parodontitis verdreifacht [13]. Die systemische Verbreitung der Parodontitis-Bakterien wiederum erhöht die Insulinresistenz des Gewebes [14]. Ein Teufelskreis.

Ein weiteres Risiko stellt Parodontitis in der Schwangerschaft dar. Während des ersten Trimenon [10] findet eine veränderte Ausschüttung von Östrogen und Progesteron statt. Diese Hormone beeinflussen u.a. das Parodont in Bezug auf erhöhte Gefäßdurchlässigkeit [11], Gefäß- [12] und Fibroblasten-Neubildung [13]. Eine Parodontitis steigert das Risiko einer Frühgeburt [15] [16] um das 3 – 10-fache. Studien haben gezeigt, dass die Parodontitis ein ebenso hohes Risiko für eine Frühgeburt darzustellen scheint, wie Rauchen oder der Alkoholkonsum während der Schwangerschaft [17] [18].

Als drittes Beispiel einer Folgeerkrankung durch Parodontitis seien die Herz-Kreislauf-Erkrankungen erwähnt. So können sich die Parodontitis-Bakterien über die Blutgefäße im Körper verteilen und an Ablagerungen innerhalb der Blutgefäße ansammeln [19]. Geschieht das zum Beispiel an einer Herzklappe, wächst das Risiko einer Herzklappenentzündung. Die Gefahr eines tödlichen Ausgangs einer solchen Erkrankung liegt immerhin bei ca. 20%. Aber auch die Gefahr einer Thrombose steigt deutlich an. So ist das Risiko eines Schlaganfalls bei Parodontitis-Patienten um 25% erhöht [20].

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[1] J. Freyenhagen, „Katastrophale Kinderzaehne,“ Die Zeit, Nr. 1/1983, 1983.
[2] S. Poulsen, „Dental caries in Danish children and adolescents 1988-94,“ Community Dent Oral Epidemiol., 1996.
[3] M. Speechley und D. Johnston, „Some evidence from Ontario, Canada, of a reversal in the dental caries decline,“ Caries Res., 1996.
[4] A. R. Jordan und W. Micheelis, „Fuenfte Deutsche Mundgesundheitsstudie,“ Institut der deutschen Zahnaerzte, 2016.
[5] B. Gustafsson, C. Quensel, L. Lanke, C. Lundqvist, H. Grahnen, B. Bonow und B. Krasse, „The Vipeholm dental caries study: the effect of different levels of carbohydrate intake on caries activity in 436 individuals observed in 5 years,“ Acta Odontol Scand., 1954.
[6] „stern.de,“ 03 Juli 2014. [Online]. Available: http://www.stern.de/gesundheit/zaehne/studie-zur-zahngesundheit-kinder-haben-heute-deutlich-weniger-karies-3949262.html. [Zugriff am 18 September 2016].
[7] E. O. f. C. Research, „Abstracts: 61th ORCA Congress,“ 2014.
[8] service:gesundheit Schleichende Gefahr – Volkskrankheit Parodontitis. [Film]. Hessischer Rundfunk, 2013.
[9] P. Apfel, „Parodontitis – Zahnfleischentzuendung: Herzinfarkt, Rheuma, Fruehgeburt: Toedliches Risiko aus dem Mund,“ 21 03 2016. [Online]. Available: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/zaehne/symptome/entzuendetes-zahnfleisch-im-mund-lauert-gefahr-fuer-den-ganzen-koerper_aid_738972.html. [Zugriff am 25 09 2016].
[10] P. Eickholz und B. Dannewitz, Parodontologie von A-Z, Berlin: Quintessenz Verlag, 2013, p. 12.
[11] J. Lindhe und P. Branemark, „Changes in vascular permeability after local application of sex hormones,“ J Periodontal Res., 1967.
[12] J. Lindhe, P. Branemark und J. Lundskog, „Changes in vascular proliferation after local application of sexhormones,“ J Periodontal Res, 1967.
[13] H. Fukuda, „Experimental studies on the effect of sex hormones on the proliferation of cells derived from the gingival tissue in culture,“ Shikwa Gakuho, 1971.
[14] S. Armar und K. Chung, „Influence of hormonal variations of the periodontium in women,“ Periodontol 2000, Rochester, New York, USA, 1994.
[15] M. Malinova ,“Periodontal disease and preterm birth,“ Akush Ginkol, Sofia, 2013.
[16] E. Davenport, C. Williams, J. Sterne, S. Murad, V. Sivapathasundram und C. MA, „Maternal periodontal disease and preterm low birth weight: case-control study,“ Department of oral growth and developement, Barts and the London School of Medicine and Dentistry, University of London, London, 2002.
[17] A. Schulze, „ZWP online,“ 15 04 2011. [Online]. Available: http://www.zwp-online.info/de/fachgebiete/parodontologie/grundlagen/parodontitis-korrelierte-endokrinologische-veraenderungen. [Zugriff am 25 09 2016].
[18] S. Offenbacher und J. Beck, Periodontitis: a potential risk factor for spontaneous preterm birth,“ Compend Contin Educ Dent., 2001.
[19] P. Lockart, A. Bolger, P. Papapanou, O. Osinbowale, M. Trevisan, M. Levison, K. Taubert, J. Newburger, H. Gornik, M. Gewitz, W. Wilson, S. j. Smith und L. Baddour, „Periodontal disease and atherosclerotic vascular disease: does the evidence support an indipendent association?: A scientific statement from the American Heart Association,“ Circulation, 2012.
[20] K. Graf, „Die Erkrankungen des Parodonts aus ganzheitlicher Sicht,“ GZM – Praxis und Wissenschaft, pp. 6-12, 3 2001.
[21] S. Schneider, „DG Paro,“ Deutsche Gesellschaft fuer Parodontologie e.V., 05 08 2014. [Online]. Available: http://www.dgparo.de/presse/presse_detail/article-54158150d930d. [Zugriff am 17 09 2016].